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26.01.2008

Workshop mit dem Schwerpunkt

Mensch und Umwelt
in Geographie und Geschichte

Veranstalter: Nachwuchsforum der Marburger Geographischen Gesellschaft
Veranstaltungsort: Geographisches Institut (Deutschhausstr. 10), Seminarraum

Programm:

8.30 Uhr
Johannes Hofmeister, Tanja von Werner
Begrüßung

8.40 Uhr
Prof. Dr. Alfred Pletsch
Historisch-geographische Siedlungsforschung, ein Paradigma im Wandel

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts rückte, neben dem Schwerpunkt physisch-geographischer Teildisziplinen, auch die Anthropogeographie immer stärker in den Focus der sich neu definierenden geographischen Wissenschaft. Dabei spielten historisch-geographische Themen eine bedeutende, teilweise sogar herausragende Rolle. Kennzeichnend ist z. B. die stark durch die geodeterministische Auffassung eines Friedrich Ratzel beeinflusste Urlandschaftsforschung, die sich eng mit dem Namen Robert Gradmans verbindet. Unter dem Einfluss des possibilistischen Denkansatzes v.a. durch die nordamerikanische Geographie entwickelte sich O. Schlüter zum Widersacher Gradmanns, wobei er sowohl inhaltlich als auch methodisch für mehrere Jahrzehnte wegweisend blieb. Im Verlauf der weiteren Entwicklung bildeten sich mehrere regelrechte "Schulen" heraus (z. B. in Göttingen, Marburg, Frankfurt), die sich unterschiedlicher Instrumentarien für die Rekonstruktion des Siedlungsgangs und der kulturlandschaftlichen Erscheinungsformen v.a. ländlicher Siedlungen bedienten. Die Analyse der Flur- und Wohnplatzformen hat zu einer differenzierten Vorstellung genetischer Siedlungstypen geführt, die jedoch zunehmend durch funktionale Gesichtspunkte überlagert wurde, an deren Ende die teils sehr detaillierten funktionalen Gemeindeklassifikationen stehen. Seit den 1970er Jahren sind Fragestellungen dieser Art jedoch immer mehr in den Hintergrund getreten mit dem Ergebnis, dass heute historisch-geographische Fragestellungen nur noch vereinzelt verfolgt werden. Im Vortrag geht es darum, im Sinne eines Überblicks diese Entwicklung an Beisielen schlaglichtartig zu beleuchten.

9.20 Uhr
Tanja von Werner, M. A.
"Reise nach Jerusalem"

Im Jahr 1491 bricht Landgraf Wilhelm I. v. Hessen zu einer Pilgerfahrt ins Heilige Land auf. Während seiner Reise macht er Halt am herzoglichen Hof in Innsbruck, passiert kulturell so bedeutsame Städte wie Venedig und Rom, erreicht Ragusa, dann Rhodos, Zypern und etliche andere Orte von größerer und geringerer Bedeutung.
Dietrich v. Schachten, Gefolgsmann des Landgrafen, hat diese Pilgerfahrt - wie er bekennt, zur "Kurzweil und zum Andenken an alle Erlebnisse" - in einem Reisebericht beschrieben. Der Vortrag widmet sich den Eindrücken und Sichtweisen der hessischen Pilger auf dem langen Weg nach Jerusalem und zurück.

10.00 Uhr
Philipp Billion, M. A.
Graphische Zeichen mittelalterlicher Portolankarten

Weitere Informationen hier.

10.40 Uhr
Kaffeepause

11.00 Uhr
Dipl.-Geogr. Johannes Hofmeister
"Die Hessische Luft wehe lauter Rosen ..." - Historische Aufzeichnungen über Witterung und Klima in Hessen

Schon lange, bevor man mit systematischen Wetterbeobachtungen mithilfe von Meßinstrumenten begann, wurden schriftliche Aufzeichnungen über die Witterung überliefert. Derartige Aufzeichnungen kann man in verschiedenen Literatur- und Quellengattungen finden, z. B. in der Literatur zur Orts- und Landesgeschichte oder in Akten, Tagebüchern und Chroniken. Zum einen erlauben diese historischen Beschreibungen einen Einblick in die Abhängigkeit der Menschen von der Witterung in vergangenen Zeiten, wobei die Landwirtschaft eine besondere Rolle spielt. Zum anderen kann die Entstehung von Witterungsereignissen oder die langfristige Klimaentwicklung anhand solcher Aufzeichnungen rekonstruiert werden.

11.40 Uhr
Jochen Ebert, M. A.
www.wettergeschichte-hessen.de - Konzept, Nutzung und Ziele

Klima, Witterung und Wetter beeinflussten das Leben der Menschen in der Vergangenheit auf vielfältige Weise. Wer diesem Umstand im Rahmen sozial-, wirtschafts- oder kulturhistorischer Fragestellungen Rechnung tragen will, stößt jedoch schnell an Grenzen, da klimahistorische Untersuchungen ihr Material meist in hochaggregativer Form präsentieren. Eigenen Erhebungen sind ebenfalls enge Grenzen gesetzt, da der ubiquitäre Einfluss des Wetters zur Folge hat, dass Wetterinformationen in den unterschiedlichsten Quellen zu finden sind. Eine systematische Recherche ist aus diesem Grund kaum möglich.
An diesem Punkt setzt das 2003 gestartete Projekt www.wettergeschichte-hessen.de mit seinem regionalhistorischen Ansatz an. Ziel ist es, Wetterinformationen für das landschaftlich kleingekammerte Hessen zu sammeln und für die Forschung bereitzustellen. Konzipiert als offenes, interaktives Projekt liegen wettergeschichte-hessen.de zwei Prinzipien zugrunde: Erstens die freie Nutzung der Datenbank und zweitens die kooperative Erstellung der Wettereinträge. Auf diese Weise ist in den vergangenen Jahren eine kontinuierlich wachsende Sammlung von Wetterinformationen für das Land Hessen entstanden. Konzept, Nutzung und Ziele des Wetterdatenbankprojekts sollen im Vortrag vorgestellt und diskutiert werden.

12.20 Uhr
Abschließende Diskussion

Am Schluß des Kolloquiums soll über die bisherigen, aber auch über mögliche zukünftige historisch-geographische Forschungen am Standort Marburg diskutiert werden. Außerdem sollen die Möglichkeiten diskutiert werden, wie die Vernetzung und die Kommunikation, vor allem aber die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Geographen, Historikern und Angehörigen weiterer Disziplinen ausgebaut und gepflegt werden kann. Darüber hinaus können und sollen auch weitere historisch-geographische Themen nach Wahl besprochen werden.

 

Siehe auch:

Hofmeister, J., Werner, T. v. (2008): Workshop zum Thema "Mensch und Umwelt in Geographie und Geschichte". In: Marburger Geographische Gesellschaft (Hrsg.): Jahrbuch 2007. Mit einem Jahresbericht des Fachbereichs Geographie. Marburg, S. 167-171.